Tauben in Frankfurt: Der Vogel ist nicht das Problem meiner Zeichnung
Ich zeichne einen Vogel mit Dienstmütze. Die echte Taube am Main braucht dagegen weder eine Rolle noch meine schlechten Vergleiche.
Die Taube am Main schaut mich an, als hätte ich einen unvollständigen Antrag dabei. Das ist natürlich meine Zuschreibung. Die Taube schaut vermutlich einfach, ob ich im Weg stehe.
Wenn man dauernd einen Vogel mit Dienstmütze zeichnet, muss man sich gelegentlich daran erinnern, dass echte Tauben keine kleinen Beamten sind. Sie können sich auch nicht gegen die Texte wehren, die ich ihnen an den Schnabel lege.
Was ich beim Zeichnen tatsächlich sehe
Eine Taube besteht in meiner schnellen Skizze zunächst aus zwei verbundenen Formen: einem Körper und einem kleineren Kopf. Dann kommen eine Brustlinie, ein kurzer Schnabel und die Stellung der Füße dazu. Die Haltung erkenne ich oft schon, bevor ein Auge eingezeichnet ist.
Gerade deshalb versuche ich, nicht sofort einen Witz über sie zu schreiben. Ein vorgestreckter Kopf ist erst einmal ein vorgestreckter Kopf. Nicht jede Bewegung muss nach Büroalltag aussehen. Sonst zeichne ich nur noch meinen eigenen Text und schaue gar nicht mehr hin.
Für eine flüchtige Studie bleibe ich auf Abstand. Ich laufe dem Tier nicht hinterher, locke es nicht an und fasse es für einen besseren Blickwinkel nicht an. Wenn es weggeht, bleibt die Zeichnung eben an der Stelle offen.
Die Geschichte hinter dem schlechten Ruf
Beim Deutschen Tierschutzbund habe ich nachgelesen, dass Stadttauben von domestizierten Tauben abstammen und auf Unterstützung angewiesen sind. Seine Informationen über Stadttauben sind ein guter Ausgangspunkt, um die Tiere nicht bloß als lästiges Stadtinventar zu betrachten.
Ich mache daraus keine Anleitung zur Versorgung verletzter Vögel. Wer eine Taube findet, die möglicherweise Hilfe braucht, sollte sich fachkundigen Rat bei einer örtlichen Tierschutzstelle holen. Eine Comicseite ist dafür kein Ersatz.
Der Lokpfogel hat seine Mütze bekommen, weil ich meine eigenen Umstände besser zeichnen kann, wenn jemand sehr klein und sehr überzeugt davon ist. Die echte Taube hat mit meinem Verhältnis zu Fristen wenig zu tun. Sie muss in diesen Texten weder für Schmutz noch für irgendeine Frankfurter Bevölkerungsgruppe herhalten.
Ein Auge reicht noch nicht für eine Haltung
Am Mainufer zeichne ich deshalb manchmal erst die Vögel, bevor die Figur im Heft auftaucht. Ich schaue auf den Abstand zwischen den Füßen, die gekippte Schulterlinie, den Kopf. Eine kleine Änderung kann das ganze Bild verschieben.
Für die heutige Zeichnung steht der Lokpfogel neben einer gewöhnlichen Taube und hält seine Mütze in der Hand. Er hat ausnahmsweise keinen Schalter vor sich.
Ich hatte noch eine Sprechblase vorgesehen. Nach einer Weile habe ich sie wegradiert. Die andere Taube ist längst weitergegangen.
