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Skizzenbetrieb · NOTIZ VOM · LP-003

Urban Sketching in Frankfurt: Erst die Bank, dann die Skyline

Für meine erste Seite reicht eine Bank. Ein einfacher Einstieg ins Zeichnen vor Ort, ohne Einkaufsliste und Skyline-Prüfung.

Der Lokpfogel sitzt auf einer Parkbank und zeichnet sie in sein Skizzenbuch. Wenige Frankfurter Hochhäuser stehen im Hintergrund.
Die Skyline darf auf die nächste Seite.

Urban Sketching heißt für meine Zwecke: vor Ort zeichnen, was gerade da ist. In Frankfurt kann das die Skyline sein. Es darf aber auch die Bank sein, auf der man vor der Skyline sitzt.

Die Bank ist mein Vorschlag für den Anfang. Sie bewegt sich selten, trägt keine komplizierte Frisur und nimmt es vermutlich nicht persönlich, wenn ihre Lehne zu kurz gerät.

Ich habe lange den Fehler gemacht, den Ausflug vor allem vorzubereiten. Passendes Papier, ein zweiter Stift, ein dritter Stift für den Fall, dass der zweite eine Haltung entwickelt. Draußen war ich dann beschäftigt mit der Frage, welches Werkzeug zu diesem sehr bedeutenden Moment passen würde.

Heute nehme ich ein kleines Buch, einen schwarzen Stift und eine Klammer mit. Für trockene Linien brauche ich keinen Wasserbecher. Wenn ich Farbe ausprobieren will, mache ich das an einem anderen Tag. Der erste Versuch muss nicht gleichzeitig die gesamte Materialkunde abdecken.

Mein Ablauf für eine einzelne Seite

Zuerst suche ich eine Stelle, an der ich niemandem im Weg bin. Am Main achte ich auf den Wegverkehr und auf Abstand zum Wasser. Auf der Berger stelle ich mich nicht vor Eingänge oder Auslagen, an denen gerade gearbeitet wird. Ein guter Blickwinkel ist keiner, von dem jemand mich wegräumen muss.

Dann lege ich ein kleines Motiv fest. Eine Bank statt des ganzen Ufers. Ein Eingang statt des Straßenzugs. Ich ziehe die äußerste Form und entscheide erst danach, welche Details dazugehören. Meist sind es weniger, als ich vor dem ersten Strich dachte.

Für eine Übung gebe ich mir ungefähr zehn Minuten. Das ist kein Leistungsversprechen. Ich benutze die Begrenzung, weil ich sonst dreißig Minuten an einer einzigen Armlehne stehen kann. Wenn die Zeit um ist, schreibe ich einen Satz dazu: Was habe ich gesehen, das mir vorher nicht aufgefallen war?

Frankfurt als Motiv, nicht als Prüfung

Die Berger Straße bietet mir viele kleine, nahe Formen. Am Mainufer kann ich mit mehr leerer Fläche arbeiten. Beides ist brauchbar. Ich muss nicht erst die komplizierteste Perspektive der Stadt beherrschen, um ein Buch mitzunehmen.

Wenn Menschen durchs Motiv laufen, lasse ich die Lücke stehen oder zeichne eine schnelle, anonyme Silhouette. Ich halte niemanden fest und arbeite nicht ungefragt ein erkennbares Porträt aus. Häuser bleiben häufig länger, Menschen dürfen ihren Tag fortsetzen.

Bei Wind hilft die Klammer. Bei Regen höre ich auf oder suche einen Ort, an dem das Stehenbleiben erlaubt und sinnvoll ist. Eine überdachte Fläche ist nicht automatisch ein öffentlicher Zeichenplatz. Bei Unsicherheit frage ich.

Die schiefe Linie bleibt

Mein Buch ist keine Abgabe. Eine falsche Kante kann eine Beobachtung enthalten, die in der sauberen Zeichnung verloren ginge. Ich korrigiere, wenn mich der Fehler interessiert. Ich lasse ihn stehen, wenn er nur den inneren Kontrolleur beschäftigt.

Falls die leere Seite schwieriger ist als das Motiv, fang mit meiner ausdrücklich schlechten ersten Seite an. Das nimmt der zweiten erstaunlich viel Verantwortung.

Auf meiner Bankzeichnung sitzen inzwischen zwei Personen. Sie waren schon wieder aufgestanden, als ich ihre Beine zeichnen wollte. Unter der Bank steht deshalb nur: „Personalwechsel während der Aufnahme.“

Zeichnung

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